Wenn ich gehe

Wenn ich gehe, dann bette mich zwischen die Wurzeln der Trauerweide.

In den Gräsern und Seidenflügeln der Käfer.

Im Flug der Schmetterlinge und im glitzern der Tautropfen.

In den Sonnenstrahlen die durch Laub blinzeln und den Regetropfen, die an dein Fenster klopfen.

Im Moos, das seine kleinen Köpfchen empor ragen lässt und in ausgewaschenen Treibhölzern, die kunstvoll an unberührten Flussufern liegen.

In den Farben der Herbstblätter, die mit dem blau der Tage besonders miteinander leuchten und in den Schneeflocken, die sich still auf alles niederlegen.

In kleinen Eissternen auf deinem Fahrradsattel, die aussehen wie kleine Blüten und in morgendlichen Nebeldecken, die sanft über dem Boden schweben.

Im Tanz filligraner Fliegen, die sich übermütig in der Abendsonne tummeln und in zarten Frühlingsknospen, die langsam erwachen.

In verloren gegangenen Vogelfedern, die Wiesenwege schmücken und in den Spiralen leerer Schneckenhäuser.

In dunkelweichen Wasseroberflächen, die mit der Sonne spielen, als wären abertausend Sternschnuppen herabgefallen und in bunten Kieseln, die an Ufern liegen.

Im Blick deiner Augen, die sehen und in deinem Lächeln.

Dort wirst du mich immer finden.

Wenn ich gehe, dann bette mich zwischen die Wurzeln der Trauerweide.

Pearl Morninglight ©

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Trost

Die Melancholie der Vergänglichkeit spielt ihre Weise

leise

Wenn ein Stück fehlt um Ganz zu sein
weil es den Raum gewechselt hat

Was zurück bleibt und was fort ist
Beides ist ohne das Andere
und doch sind sie mit allem was ist

Ewig

Pearl Morninglight ©

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Nachmittags in den Flussauen

Tage wie diesen
ins Bilderbuch der Erinnerungen kleben
damit Gemüt und Seele im Winter darin blättern können

Pearl Morninglight ©

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Mathematik by nature

Symmetrie und Gleichgewicht
Die Natur kann das ganz ohne die Mathematik lernen zu müssen
denn es ist in ihr eingewoben

Pearl Morninglight ©


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HerbstLicht

‪Sanft
ja fast zärtlich‬
liegt dieser trübe Tag im seengleichen Fluss
Streichelt Sand und Wasser weich mit seinem Licht
und bettet wie in farbgem Nebel
alles was unter der Oberfläche ruht
Und während ich hineintauche in diesen Anblick
nimmt er mich mit
in einem Segelflug aus Stille und Frieden

Pearl Morninglight ©


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12 kleine Schneeflocken

Es waren einmal 12 kleine Schneeflocken, die wohnten in einer Winterwolke.

Sie bestanden jede aus genau 12 klitzekleinen Eiskristallen und jedes davon wiederum aus 12 und das ganzgenau 12 mal.

Und als sie am 12.12.2012 ihr Zuhause verließen, dauerte ihr Schwebeflug zur Erde genau 12 Minuten und 12 Sekunden.

Punktgenau zu Beginn der 12ten Sekunde, landeten sie nacheinander auf der 12cm langen Mohrrübennase eines Schneemanns und verschmolzen miteinander zu einem klitzekleinen See.

Als die 12te Schneeflocke genau zum Ende der 12ten Sekunde in die klitzekleine Seeoberfläche tauchte, setzte sich dieser als klitzekleines Rinnsal in Bewegung Richtung Mohrrübenspitze.

Die holperigfließkriechende Reise dorthin dauerte genau 12 Sekunden.

Und als sich dann nach weiteren 12 Sekunden das klitzekleine holprigfließkriechende Rinnsal zu einem wohlgeformten Tropfen an des Schneemanns Nasenspitze formiert hatte, berührte just in dem Moment als sich der Tropfen löste, ein Sonnenstrahl die kleingewölbte Oberfläche so das man aus einem Winkel von 12 Grad für den Bruchteil einer 12tel Sekunde einen 12spitzigen Sonnenstrahlstern erblicken konnte, bevor der Tropfen in den Schneeflockenkristalltepich der sich auf dem Rasen ausgebreitet hatte eintauchte.

Und wenn sie nicht gestorben sind (und das sind sie definitiv nicht)
dann sind sie nach 12 Monaten wieder als Schneeflocken vom Himmel gefallen, so wie auch dieses Jahr.
Irgendwie
Irgendwo
Irgendwann

Pearl Morninglight ©

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Eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens

Vielleicht hat die Schöpfung sich doch etwas dabei gedacht, als sie den Menschen hervorgebracht hat. Denn nur ihm ist es unter allen Lebewesen auf diesem Planeten vorbehalten eine Intelligenz zu entwickeln um Mittel und Wege zu erfinden, die diesen Planeten vom Aussterben seines auf ihm befindlichen Lebens retten könnte. Stattdessen aber beschleunigt er diesen Prozess nur.
Daraus erschließen sich mir zwei Möglichkeiten.
Dass entweder die Schöpfung nicht perfekt ist, oder sie mit der Spezies Mensch noch nicht fertig ist, denn sonst hätte sie ihm als Ansporn anstatt der Gier nach materiellem Reichtum, eine Gier nach Selbstlosigkeit eingewoben.

Pearl Morninglight ©

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Die Geschichte vom Löwenzahnkönig

Inmitten einer unberührten Wiese, stand einmal eine alte Buche. Vom Blitz in zwei Hälften geteilt, lebte die eine Hälfte weiter, die andere starb ab und säumte zu Ihren Wurzeln das Gras. Um und auf dem toten Holz entstand nach und nach neues Leben. Vielerlei Moose und Flechten, aber auch kleines und größeres Getier fanden dort ein Zuhause.

In dieser wilden Unberührtheit, das Holz im Rücken, lebte der Löwenzahnkönig. Sein Blattkranz maß einen Meter im Durchmesser und sein Haupt, mit der sonnengelben Krone hatte die Größe eines Apfels.
Prächtig sah er aus, stark und unverwüstlich.
Der Löwenzahnkönig war das Oberhaupt allen Krautes, das da wuchs und er war ein gerechter König, der für jedes Pflänzlein einen Platz hatte. Alles durfte wachsen und gedeihen.
Viele Jahre regierte er schon über das Grün auf der ganzen Welt. Er ordnete und plante, wies Orte und Plätze zu, so dass selbst in kargen Gebieten Pflanzen ihren Boden und ihre Jahreszeit zum wachsen und gedeihen hatten.
Im Spätherbst legte der Löwenzahnkönig seine goldgelb leuchtende Krone ab und der Wind trug seine Nachkommen in die Welt hinaus, bevor er sich zur Ruhe legte. Im Frühjahr wachte er mit neuer Kraft und frischem Saft wieder auf um seiner nicht enden wollenden Arbeit nachzugehen.
So verging Jahr um Jahr.
Es war ein üppiges, sorgloses Erwachen im Frühling, begleitet von Vogelsynphonien und geschäftigem Treiben kleiner Wald- und Wiesenbewohner und duftendem Pflanzengeplapper. Die Luft war klar und erfüllt von summenden Bienen und Hummeln und in lauen Sommerabenden musizierten Grillen, Grashüpfer und Heupferdchen zum quakenden Gesang der Frösche an fernen Teichen.
Im Herbst sammelte sich alles, um gut gewappnet in die kalte Jahreszeit zu gleiten und es war ein zufriedenes Einschlafen über die Wintermonate.
Eines Tages jedoch, an einem Frühlingsmorgen als der Löwenzahnkönig wieder aufwachte, spürte er, dass sich etwas verändert hatte. Es war ungewöhnlich still von vertrauten Lauten um ihn herum.
Er streckte gähnend seinen großen Blätterkranz, rückte seine gelbe Krone zurecht und schnupperte lauschend konzentriert in die Welt hinein. Die Luft sonst klar und frisch, roch nach verbranntem Holz.
Er hörte fernes und befremdendes Stimmengewirr, gemischt aus Lachen und lauten Rufen.
Ein Schauder durchlief seinen Stängel hinunter bis in jede Blattspitze hinein, so dass sich seine feinen Häärchen sträubten wie ein erschrockener Igel.
„Nun hat sich die Prophezeihung der weisen alten Eule also erfüllt“, dachte er. Ein neues Wesen, Namens Mensch begann die Welt zu bevölkern.
Sie ließen sich überall nieder, schlugen Holz zum bebauen, hielten sich Vieh, pflügten Wiesen zu Äckern und jagten Wild zum verspeisen.
So verging Jahr um Jahr.
Das üppige erwachen im Frühling mit dem geschäftigen Treiben der kleinen Wald- und Wiesenbewohner, das duftende Pflanzengeplapper und das Summen der Honigbienen wurde immer karger und stiller.
Der Löwenzahnkönig bemühte sich sehr um das Wohl und den Bestand der Pflanzen, aber der Mensch grenzte, mauerte und zäunte immer mehr und mehr ein. Er baute Straßen und rodete dafür ganze Wälder. Er baute Städte und große Industrieanlagen, die die Luft schlecht machten. Die Menschen gingen gedankenlos mit ihrer natürlichen Umgebung um und der Lebensraum von Pflanzen und Tieren wurde immer kleiner und kleiner.
Eines Tages rückte schweres Gerät auf die wilde Blumenwiese an, um den Boden bebaubar zu machen. Es sollte dort eine Neubausiedlung entstehen. Sorgenvoll beobachteten die Tiere und Pflanzen am Waldrand das Geschehen. Sie hörten das leise Wimmern des sterbenden Lebens und hatten furchtbare Angst um ihren König, der unter der alten Buche wohnte, die mit einem lauten Krachen umviel.
Tagelang dauerte das zerstörerische Treiben und keines der Tiere traute sich aus seinem Versteck.
Eine schauerliche Stille lag über der erdigen Ebene die einmal eine vor Leben strotzende Blumenwiese war, als Maschinen und Menschen endlich abrückten. Langsam wagten sich die Waldbewohner vor, um nachzusehen. Dort wo einst der Löwenzahnkönig unter der alten Buche thronte, war neben vielen anderen ein tiefes Loch. Er war fort. Der König war fort. Und nichts erinnerte mehr an ihn.
Die Nachricht über den Tod des Löwenzahnkönigs verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt und sorgte für tiefe Trauer und Ratlosigkeit. Wer sollte denn nun die Ordung übernehmen?

Und so ging die Zeit ins Land. Auf den Sommer folgte der Herbst, auf den Winter der Frühling. Alles ging seinen gewohnten Gang, fast alles.
Nach und nach siedelten sich Häuser und Straßen zu einem kleinen Ort auf der ehemaligen Wiese an und fremde Pflanzen und Tiere verdrängten heimisches Leben.
Dort wo damals der Löwenzahnkönig residierte, stand nun ein hübsches kleines Einfamilienhaus mit Garten. Alle Häuser in der neuen Siedlung hatten Gärten. Manche waren peinlichst gepflegt in einer Norm, die der menschliche Verstand als schöne Natur ansah. In anderen wiederum durfte bis zu einem gewissen Grad fast alles so wachsen, wie es wollte. Das kleine hübsche Einfamilienhaus hatte so einen Garten. Dort wohnte eine Familie mit einem kleinen Mädchen, deren fröhliches Lachen man oft bis zum Waldrand hörte.
Emma spielte oft im Gänseblümchen übersäten Rasen hinter dem Haus, der einige Obstbäume und einen Gemüse- und Kräutergarten hatte.
Sie konnte sich gut mit sich selbst beschäftigen und unterhielt sich mit so allerlei Käfern, Schmetterlingen und Blumen.
Eines Tages fand sie im übergitterten Kellerschacht eine kleine gelbe Blume. Sie kniete sich hin und lugte ganz dicht am Gitterrost hinab.
„Nanu, wo kommst du denn her?“ So ein armes Ding, dachte sie sich, und so ganz allein.
Eilig lief sie ins Haus und holte unter eifrigem berichten ihren Vater.
„Bitte Papa, können wir die Blume nicht ausgraben und in mein Blumenbeet setzen? Dort unten ist es so dunkel und sie ist da ganz allein.“
Ihr Vater runzelte die Stirn. „Emma, das ist ein Löwenzahn, das ist doch Unkraut.“
Mit einem Blick der Eisberge zum schmelzen hätte bringen können, sah sie ihren Vater an. „Bitte Papa!“
Mit einem hörbaren Seufzer nickte dieser. „Also gut, bring mir die kleine Gartenschaufel und den Wurzelheber aus dem Gartenhäuschen.“
Mit einem kleinen Freudenschrei lief Emma los und brachte ihrem Vater nach kurzem Suchen die gewünschten Dinge.
Als sie zurückkam hatte der schon den Gitterrost entfernt und stand nun im Kellerschacht, so dass nur noch sein Kopf herausschaute. Sie kniete sich nieder und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Danke,“ sagte sie glücklich und ihr Vater lächelte. Vorsichtig grub er den Löwenzahn mit seiner langen Wurzel aus und legte ihn in Emmas Hände. Dann pflanzten sie ihn in ihr Blumenbeet, das sie unter einer jungen Birke am Rand des Gartens angelegt hatte. in dem Beet steckte ein Holzstäbchen an dem ein kleines weißes Emailleschildchen befestigt war, auf dem in blauer geschwungener Schrift ihr Name stand.
Sie setzten ihn mit genügend Abstand zwischen die Ringel- und Glockenblumen. Zufrieden und überglücklich betrachtete Emma ihr Werk. „Findest du nicht auch, dass seine Blüte wie eine Krone aussieht?“ sagte Emma und ihr Vater nickte. „Ja, tatsächlich. Als wäre er ein kleiner Prinz.“

Tatsächlich war es der Löwenzahnkönig, den Emma gerettet hatte.
Als damals die Maschinen alles auf der ehemaligen Blumenwiese zerstörten, blieb vom Löwenzahnkönig ein Teil seiner kräftigen Wurzel im ausgehobenen Erdreich heil zurück, das zum einsäumen des Rohbaus verwendet wurde. So gelangte die Wurzel in den Kellerschacht und konnte wieder neu austreiben.
Er war noch klein und jung, aber in dem überlebenden Wurzelstück war alle Magie und Wissen verankert und so für ihn erhalten geblieben.
Als er Emma durch den Gitterrost zu ihm herabsehen sah und ihre Stimme hörte, wusste er sofort, dass sie ihn retten würde und lies das ganze Prozedere ohne Furcht über sich ergehen.
Jetzt stand er wieder fast, nun den jungen Stamm einer Birke im Rücken, an seinem alten Platz.
Er atmete tief ein. Es tat gut wieder den Wind und die Sonne auf den Blättern zu spüren.
Die Erinnerung an die Zerstörung der alten Blumenwiese und seiner selbst, viel kurz wie ein Schatten über ihn. Er erinnerte sich an das Wehklagen des üppigen Lebens, das dort herrschte und daran, als ihn eine große Baggerschaufel aus der Erde hob, so dass seine feinverästelten Nebenwurzelstränge rissen. Dann wurde alles Dunkel um ihn herum.
Als er wieder erwachte, wusste er nicht, wieviel Zeit vergangen war. Um ihn herum war eine Betonwand und das einzige Licht, das er wahr nahm, kam von oben durch ein Gitter. So abgeschottet konnte er sich nicht bemerkbar machen und niemand bekam mit, dass er überlebt hatte. Seine Magie gelangte aus diesem Gefängnis nicht hinaus.
So fristete er zwei Jahre lang in seinem kiesbodenbedeckten Kerker. Die Hoffnung aber, hier herauszukommen gab er nie auf. Es war seine Bestimmung sich um die Pflanzenwelt zu kümmern und er hielt deshalb fest an seinen Glauben. Er vertraute. Und das stärkte ihn. In dieser Zeit kam er langsam wieder zu Kräften und als Emma ihn letztendlich entdeckte und dort herausholte, schickte er ein kleines Dankesgebet in den Himmel.

Seine Wurzel nahm gierig das Wasser auf, dass Emma mit ihrer kleinen blauen Gießkanne über ihn regnen gelassen hatte. Er reckte seinen noch kleinen Blätterkranz und schüttelte sein goldenes Haupt, so dass die kleinen Wasserperlen nur so davonspritzten. Die Gänseblümchen auf dem Rasen in seiner Nähe kicherten vergnügt, als die kleinen Wassertröpfchen ihre Gesichter kitzelten.
Dann konzentrierte er sich und sandte eine Botschaft hinaus in die Welt.
Die Freude war groß und erleichtertes Aufatmen herrschte auf der Erde. Endlich würde wieder Ordnung in die Pflanzennatur gebracht werden.

Der Löwenzahnkönig freute sich sehr über das herzliche Willkommensein und fing an, sich einen Überblick zu verschaffen. Im Großen und ganzen hatten seine Schützlinge die Zeit ohne ihn gut überstanden. Einige Gewächse jedoch hatten sich in der Zeit seiner Abwesenheit andere Plätze zum leben ausgesucht, an die sie gar nicht hingehörten und somit einheimischen Pflanzen ihren Entfaltungsraum genommen. Viele wurden auch von Menschen gezüchtet um ihnen als Nahrung oder Treibstoff für ihre Autos zu dienen. Es waren Seelenlose genmanipulierte Pflanzen, die wie Zombies ihr kurzes Dasein verbrachten. Ein trauriger Schauer lief dem Löwenzahnkönig den Stengel hinab. Doch am schlimmsten schmerzte ihn die Abholzung der alten Regenwälder.
Was für einen Irrsinn haben die Menschen mit sich nur auf diese Welt gebracht, dachte er betrübt. „Na denn, es gibt viel zu tun,“ sagte er zu einer hübschen Ringelblume ein Stückchen weiter neben ihm, die verlegen kicherte, so dass ihr oranger Blütenhut nur so wippte.
Die Tage vergingen und bald schon war der Löwenzahkönig wieder voll und ganz in seinem Element. Von früh bis spät plante und ordnete er neu, machte Kompromisse und trug auch kleine Siege davon. Freilich konnte er die eingewanderten Pflanzen nicht so einfach zurückbannen und die Abholzung der Regenwälder stoppen, aber er konnte die einen etwas eindämmen und den anderen etwas Wachstum zuführen. Bei seiner Arbeit bemerkte er auch, dass nicht alle Menschen unbedacht waren. Es gab mittlerweilen viele, die erkannt haben, dass die Rohstoffe der Erde nicht unendlich sind und das die Zerstörung der Natur, die Zerstörung ihrer selbst bedeutete und so hatte er ohne zu suchen viele Helfer gefunden, die ihm seine Arbeit erleichterten.
Dennoch waren die Tage voll davon für den Löwenzahnkönig. Nur wenn Emma ihn besuchte, machte er eine Pause und genoss die Zeit, in der sie ihm von ihrem Tag erzählte.
Emma war ein guter Mensch, das Herz für alles Leben am richtigen Fleck, lebte sie mit der Natur und nicht gegen sie.

So folgte nach dem Sommer der Herbst und nach dem Winter der Frühling und im Rythmus des Tuns und Ausruhens ging die Zeit abermals ins Land.
Die Ringelblumendamen, die nicht weit neben ihm wohnten, hatten Nachwuchs bekommen und blühten beachtlich in den Rasen hinein, der nun weiß und gelb war, denn der Löwenzahkönig sandte wie jeden Herbst seine Nachkommen in die Welt hinaus, die es sich auch zwischen den Gänseblümchen bequem gemacht hatten. Die junge Birke in seinem Rücken hatte an beachtlichem Umfang gewonnen und die Blätter ihrer tief herhabhängenden Äste raschelten sanft tanzend im Hauch des Sommers. Am Holzzaun entlang des Gartens wuchsen Johannis-, Brom- und Himbeersträucher die soviel Früchte trugen, dass ihre Äste den Boden streichelten. Zwischendrin spitzten kleine Walderdbeeren hervor. Die Äpfel reiften an den Bäumen heran und der Pflaumenbaum im hinteren Gartenbereich leuchtete in einem vielversprechenden blau. Die Heckenrosen, die den Eingang zum Haus säumten, blühten um die Wette mit der tiefroten Kletterrose an der Hauswand und wenn man ganz still war, hörte man die Melodie des geschäftigen Treibens der Bienen und Hummeln, das plappern der Schmetterlinge mit den Blumen und den Wettgesang der vielen Vögel.
„Ist es nicht herrlich, hier einfach nur zu sitzen,“ sagte Emma, die neben dem Löwenzahnkönig, ein Buch auf dem Schoß, an der Birke lehnte. Sie betrachtete ihn wohlwollend. „Groß bist du geworden, richtig stattlich und wunderschön.“
„Du aber auch,“ dachte er und nickte zustimmend mit seinem Kopf.
Emma musste lachen. „Manchmal hab ich wirklich das Gefühl, du verstehst was ich dir erzähle“ und der laue Sommerwind lies den Kopf des Löwenzahnkönigs weiter nicken. Kleine Sorgenfältchen schlichen sich zwischen ihre Augenbrauen, die sich jedoch sogleich wieder glätteten.
„Ich werde dich eine Weile nicht besuchen können,“ sagte sie. „Ich heirate Morgen.“
Sie klappte das Buch zu, kniete sich ganz dicht zu ihm hinunter und gab ihm einen Kuss auf sein leuchtendgelbes Haupt. Sanft fuhr Emma mit den Fingern bewundernd über die Blattränder seines mächtigen Blätterkranzes, dann rappelte sie sich hoch und strich sich die Falten aus ihrem bunten Sommerkleid. „Vergiss mich nicht,“ sagte sie leise, winkte ihm nochmal zu und ging ins Haus.
Etwas wehmütig blickte ihr der Löwenzahnkönig nach. „Ja, so vergeht die Zeit,“ dachte er und seufzte.
Es folgten viele, viele Tage ohne Emma, die nahtlos in die kommenden Jahreszeiten glitten, doch eines Tages an einem jungen Spätfrühlingstag, kam jemand mit einem kleinen Mädchen an der Hand aus dem Haus, geradewegs auf ihn zu. Es war Emma! Sein grünes Herz machte einen Satz vor Freude. Aber wen hatte sie da an der Hand?
Das kleine Mädchen lies die Hand von Emma los und lief mit einem entzückten Freudenschrei einem bunten Schmetterling hinterher, der auf die Heckenrosen zusteuerte.
Als Emma an ihrem alten Blumenbeet ankam, schaute sie erstaunt und erfreut auf ihn herab. Der Blätterkranz des Löwenzahnkönigs füllte das ganze Beet aus und um ihn herum wuchsen eine Heerschar aus Wiesenblumen, die zum Teil noch schliefen. Dazwischen rankten weiße Margariten und Butterblumen hervor. Sie kniete sich vor ihm nieder und begrüßte ihn mit einem liebevollen Blick. „Entschuldige, dass ich mich solange nicht hab blicken lassen, aber mir ist etwas sehr sehr schönes dazwischen gekommen.“ Sie zeigte auf das kleine Mädchen, dass gerade so herzerfrischend lachte, weil sich der Schmetterling kurz auf ihre kleine Stubsnase gesetzt hatte. „Das ist Lea, meine kleine Tochter.“
Der Löwenzahnkönig war sichtlich berührt und kleine Freudentränen glitzerten zwischen seinen gelben Blütenblättern in der Morgensonne.
Emma breitete im Schutz der herabhängenden dichtbeblätterten Birkenzweige, eine kleine Decke aus und rief ihre Tochter zu sich.
Lea schaute mit großen Augen fasziniert auf den riesigen Löwenzahn, der fast dieselbe Größe hatte wie sie selbst.
„Wer ist das Mama?“ fragte sie neugierig.
Emma klopfte mit ihrer flachen Hand neben sich auf die Decke. „Komm, setz dich zu mir,“ und Lea lies sich auf die Decke plumpsen.
„Das, meine Süße, ist ein König und wenn du möchtest, dann erzähl ich dir eine Geschichte. Die Geschichte vom Löwenzahnkönig.“

Pearl Morninglight ©

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Ferus Timeo Laetitia – wilde ängstliche Schönheit

R.I.P. Timy
17.8.2012
10h
Im August vor 14 Jahren warst du plötzlich da.
Abgemagert und ängstlich streuntest du in der Nachbarschaft herum, auf der Suche nach einem neuen Zuhause.
Die Wochen vergingen, mal sah man dich öfters, mal eine ganze Weile nicht.
Ich hab dich beobachtet, immer wenn du durch unseren Garten geschlichen bist, vorsichtig, scheu und doch so anmutig schön. Hab dich gelockt mit liebevoller Stimme, aber du warst so ängstlich, trautest niemandem über den Weg.

Damals hatten wir noch Hühner im unteren Garten und du kamst immer über das Dach des Hühnerstalls und hast dir die im Kübel eingeweichten Semmeln herausgefischt um deinen Hunger zu stillen.
Aber immer erst am Abend, wenn die Hühner in den Stall tingelten.

Überall wurdest du verscheucht und niemand wollte dich haben.
Außer ich.
Ich wollte Dich.
Also kaufte ich eine Palette Katzenfutter und unser kennenlernen begann.
Da ich ja noch keinen Namen für dich hatte, rief ich dich immer mit einem Pfeifen. Eben so, als würde man einen zweisilbigen Namen rufen. Jeden Morgen bevor ich zur Arbeit fuhr, stellte ich ein volles Schälchen auf das Dach vom Hühnerstall und rief dich dabei, ohne auf dich zu warten. Abends nahm ich das leere und stellte es unter meinem gepfeife, gefüllt wieder auf das Dach, wartete oben auf der Terasse auf dich und redete mit dir, während du das Schälchen feinsäuberlichst ausgeleckt hast.
Zwei Tage dauerte es nur und du hast dann am Morgen schon auf mich gewartet. In sicherem Abstand natürlich vom Werkstattdach des Nachbarn aus. Und am Abend. Egal welches Wetter es hatte, du warst da.
Und ich auch.

Und ich machte mir Gedanken über deinen Namen. Ein besonderer musste es sein. Genauso besonders wie du. Wild warst du und ängstlich. Und so wunderwunderschön.

Und so sollte auch dein Name sein.
Also gab ich dir einen lateinischen Namen.
Ferus Timeo Laetitia – wilde ängstliche Schönheit

Kurz – Timy.

Die Tage wurden nasser und kälter. Der Herbst hielt mittlerweilen Einzug und die Abstände zwischen uns beiden wurden von Tag zu Tag kürzer.
Das Schälchen stand nun mittlerweilen am Boden und ich saß dir beim fressen zuschauend auf der Bank daneben.
Und dann kam der Tag, an dem ich dich zum erstenmal streicheln durfte.
Diesen Moment werde ich niemals vergessen, denn es war eine Berührung die auf Beiderseits beruhte. Wir schauten uns in die Augen und mit meiner Hand zu dir, kamst auch gleichzeitig du näher. Beide zaghaft ängstlich und doch voller Sehnsucht, nach Liebe und Geborgenheit.
Und nach dem ersten Fellstrich, war der Bann und alles zaghafte gebrochen.
Ich setzte mich zurück auf die Bank und du sprangst mir mit einem Satz auf den Schoß und schmiegtest dich an mich.
Du hast damals nicht viel gewogen, aber deine Liebkosungen waren so kraftvoll und bestimmt. Ich war total verdutzt über soviel Kraft, über soviel Liebe.

Lange noch saß ich mit dir in die Abenddämmerung hinein, schmusend und kraulend auf der Bank.
Dann gingen wir beide hinein.


Danke für all die wundervollen Jahre mit dir.
So wie ich dich damals nahm, so lasse ich dich jetzt los.
Flieg kleine Seele, flieg in ein neues glückliches Leben hinein. Mögen Liebe und Freundlichkeit deinen neuen Weg begleiten, als was auch immer du das neue Licht der Welt erblicken magst.

Pearl Morninglight© 17.8.2012

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Alles Schätze überall

Alle Schätze dieser Erde
sind nur Schatz im Sein und werde
Sieh und komm mit mir hinaus
so schenk ich dir den schönsten Blumenstrauß

Pearl Morninglight ©

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